Digitale Transformationsprozesse in Einrichtungen der Beruflichen Bildung

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Im Verbundprojekt „Change Maker – Veränderung von Organisationsstrukturen durch nachhaltige Medienbildungskonzepte in Bildungseinrichtungen des Handels (VOM_Handel)“ (Laufzeit 2017-2020) wurden die Herausforderungen der Digitalisierung für drei konkrete Einrichtungen der Beruflichen Bildung in den Blick genommen und „digitale“ Strategien entwickelt. Die Bildungseinrichtungen stehen unter dem Druck den veränderten Anforderungen der digitalen Lebens- und Arbeitswelt mit ihren Angeboten gerecht zu werden. Während der Bereich der beruflichen (Erst-)Ausbildung von Förderprogrammen des Bundes (BMBF 2007 und folgende) profitierte, um Know-how und Strukturen aufzubauen, haben die privaten Bildungsanbieter im Bereich der Fort- und Weiterbildung auf Entwicklungen bisher bestenfalls nur reagieren können.

Gefördert wurde nun ein Konsortium bestehend aus der Zentralstelle für Berufsbildung im Handel e.V. (https://www.zbb.de/) sowie der TU Dresden (Medienzentrum: https://tu-dresden.de/mz) als Forschungspartner. Entwickelt und erprobt wurde in drei Bildungseinrichtungen des Handels: der KOMPASS gGmbH (https://kompass24.net/), dem BZH Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen gemeinnützige GmbH (https://bzhessen24.de/) und der food akademie Neuwied GmbH (https://www.food-akademie.de/).

Grundsätzlich sollte die Frage beantwortet werden:

Welche (Medienbildungs-)Konzepte sind notwendig um eine nachhaltige und tragfähige Organisationsentwicklung zu ermöglichen, die die strukturelle Verankerung des Einsatzes von Medien, die Einbindung der informationstechnischen Infrastruktur sowie die Mediendidaktik und Medienerziehung bei der Nutzung digitaler Medien umfasst?

Einbezogen wurden die Geschäftsführungsebene, die mittlere Führungsebene und die Dozenten resp. Honorardozenten, punktuell auch die Verwaltungsmitarbeiter.

Um die Projektziele zu erreichen, wurden fünf Schritte ausdifferenziert, deren Ausgestaltung in einem Transferkonzept1 näher beschrieben und erläutert wurden.

Zunächst wurde die „digitale Realität“ der Bildungseinrichtungen mithilfe von Fallstudien (Konglomerat aus Experteninterviews, Dokumentenanalyse und Online-Befragungen) als Ist-Stand2 erhoben. Die für die Bewältigung des Veränderungsprozesses notwendigen Kompetenzen wurden auf Basis des Kompetenzatlasses von John Erpenbeck3 und des Medienkompetenzmodells von Dieter Baacke4 ermittelt und als „Kompetenzmodell Digitalisierung in Bildungseinrichtungen (DiB)“ beschrieben (siehe  http://vom-handel.zbb.de/themen/medienkompetenz-2/). Im dritten Schritt wurden Change Management Workshops mit der Geschäftsführungsebene durchgeführt um eine Vision für die Digitalisierung der Bildungseinrichtung zu formulieren. Daraus abgeleitet wurden konkrete Unternehmensziele.

Um eine verstärkte Nutzung digitaler Medien für das Lehren und Lernen an den projektbeteiligten Bildungseinrichtungen zu etablieren, galt es im vierten Schritt die praktische Umsetzbarkeit auf Dozentenebene im Bildungsgang Handelsfachwirt zu erproben. Hierfür entwickelten die beteiligten Bildungseinrichtungen exemplarisch sogenannte Mediennutzungsbausteine für thematische Schwerpunkte des Bildungsangebotes. Ausführende Dozenten erhielten vorab ein Coaching sowie ggf. notwendige Weiterbildungen. Die Erprobung der Bausteine erfolgte in den Präsenzlehrgängen. Die im Anschluss durchgeführte summative Evaluation diente zum einen der Erhebung und Bewertung der wahrgenommenen Wirksamkeit von digitalgestützter Lehre bei den Lehrenden und Lernenden und im weiteren Sinne zum Nachweis der Umsetzbarkeit und Erfolgswirksamkeit der entwickelten Medienbildungskonzepte.

Für die nachhaltige Implementierung wurde in einem fünften Schritt das Medienbildungskonzept mit einem Maßnahmenplan sowie einem Kommunikations- und Controllingkonzept verbunden.

Mit Hilfe der im Projekt entwickelten Medienbildungskonzepte, den daraus resultierenden Implementierungsplänen und den Change Management-Workshops konnte an allen drei am Verbundvorhaben beteiligten Bildungseinrichtungen des Handels eine Digitalisierungsstrategie mit konkreten Zielen initiiert und Medienbildung auf allen Ebenen der Organisation etabliert werden. Die Entwicklung von Visionen und Zielen für die digitale Transformation der einrichtungsspezifischen Organisationsstrukturen erfolgte unter Einbezug verschiedener innerbetrieblicher Stakeholder. Hier konnten vor allem mit Blick auf das Lehren und Lernen, bereits kurzfristig Erfolge erzielt werden. Die Re-Organisation von Geschäftsprozessen sowie die verstärkte Implementierung digitaler Medien in Verwaltungs- und Lehr-Lern-Prozessen führten zu effektiven und effizienten Arbeitsabläufen und Gestaltungsansätzen. Die zu Projektbeginn nicht absehbaren Bedingungen der Corona-Pandemie für das Lehren und Lernen an den Bildungseinrichtungen konnten durch konzeptionelle und strategische Vorarbeiten im Projekt gemeistert werden.

Mittel- bis langfristig kann der durch die Projektpartner anvisierte Einsatz digitaler Medien zur Qualitätsverbesserung der Bildungsangebote und zu besserer Wettbewerbsfähigkeit führen.

Auf der Projektwebseite https://www.zbb.de/projekte/change-maker/ werden die Projektergebnisse allen Interessierten kostenfrei zur Verfügung gestellt.

VOM_HANDEL
Projektlaufzeit: 01.09.2017 – 31.12.2020
Projektmitarbeit: Dr. Jörg Neumann, Lisette Hoffmann, Sandra Horeni, Sabrina Herbst

 

Partner Vom Handel

Verweise:

1 Vgl. Transferkonzept. 5 Schritte zur Verankerung von Medienbildung – ein Leitfaden für Bildungseinrichtungen des Handels. Abrufbar unter: http://vom-handel.zbb.de/wp-content/uploads/2021/04/Handlungsleitfaden_zur_Verankerung_von_Medienbildung.pdf)

2 Vgl. Neumann, J., Hoffmann, L. & Baumgarten, K. (2018): Forschungsbericht: Digitalisierung in Bildungseinrichtungen des Handels. Fallstudien als IST-Stands-Analyse im BMBFVerbundprojekt VOM_Handel, Technische Universität Dresden. Online verfügbar: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-322832 (31.03.2020) sowie Hoffmann, L., Neumann, J. (2019): Die „digitale Realität in Bildungseinrichtungen des Handels. Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt VOM_Handel. In: Jörg Hafer, Martina Mauch & Marlen Schumann (Hrsg.): Teilhabe in der digitalen Bildungswelt, Münster: Waxmann. Online verfügbar: https://www.waxmann.com/?eID=texte&pdf=4006Volltext.pdf&typ=zusatztext (31.03.2020)

3 Vgl. Erpenbeck, J., von Rosenstiel, L., Grote, S. (Hrg.) (2013): Kompetenzmodelle von Unternehmen: mit praktischen Hinweisen für ein erfolgreiches Management von Kompetenzen. Stuttgart

4 Vgl. Baacke, Dieter (2001): Medienkompetenz als pädagogisches Konzept. In: Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) (Hrsg.): Medienkompetenz in Theorie und Praxis. Broschüre im Rahmen des Projekts „Mediageneration – kompetent in die Medienzukunft (gefördert durch das BMFSFJ).

Josephine Obert

Technische Mitarbeiterin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit am Medienzentrum der TU Dresden.