Digitalisierung in der beruflichen Ausbildung: Das Projektteam DiBBLok untersucht Einflussfaktoren für eine gelingende Lernortkooperation

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Das duale System der Berufsausbildung zeichnet sich durch die Zusammenarbeit verschiedener Lernorte aus. Wie die Kooperation verschiedener Akteure der beruflichen Ausbildung (Lernortkooperation) bestmöglich gelingen kann, ist die zentrale Fragestellung des Verbundprojektes „DiBBLok“.

Als Untersuchungsgegenstand dient das Online-Berichtsheft „BLok“.  Anhand von Nutzerangaben zu diesem Instrument zielt Forschungsvorhaben auf der Grundlage eines eigens entwickelten umfangreichen Untersuchungsmodells darauf ab, u. a. Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  • Was ist der wichtigste Grund für die Nutzung eines digitalen Berichtsheftes?
  • Wie kann die Akzeptanz eines solchen Instruments verbessert werden?
  • Und welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Persönlichkeit?

Für das Forschungsvorhaben wurde ein Untersuchungsmodell entwickelt, welches sich an der Akzeptanzforschung der Softwareentwicklung und des Verbrauchermarketings orientiert. In der Akzeptanzforschung werden systematisch Vorbehalte gegenüber technologischen Anwendungen erforscht [1], [2]. Dabei werden verschiedene Faktoren in den Blick genommen, die die Nutzungsabsicht von digitalen Anwendungen beeinflussen können. In Anlehnung an das Unified Theory of Acceptance and Use of Technology (UTAUT) [2], welches bereits im Anwendungskontext von Bildungstechnologien [3] erprobt wurde, werden neben der wahrgenommenen Leichtigkeit der Bedienung, der wahrgenommenen Nützlichkeit, der wahrgenommenen Verfügbarkeit, der wahrgenommenen Skepsis personale Faktoren wie Alter, Geschlecht, Persönlichkeit oder digitale Kompetenzen im Beitrag systematisch beleuchtet.

 

Abbildung 1: User Acceptance of Information Technology (UTAUT, Eigene Darstellungen in Anlehnung an Davis et al. 1989 [1] &  Venkatesh et al. 2003 [2]

 

Diese in Abbildung 1 dargestellten Faktoren wurden im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2020 mithilfe einer bundesweiten Online-Befragung erhoben. Die umfangreichen Datensätze der 762 Auszubildenden und betrieblichen Ausbilder befinden sich in der Auswertung.

Aus dem Untersuchungsmodell wurden acht gerichtete und ungerichtete Hypothesen abgeleitet, deren Ergebnisse aktuell ausgewertet werden. Vier Hypothesen sollen einen exemplarischen Einblick in die aktuell laufende Auswertung und die zu erwartenden Ergebnisse geben:

  • Je einfacher die Bedienung des digitalen Berichtshefts, desto höher die Nutzungshäufigkeit von BLok.
  • Es besteht ein Zusammenhang zwischen der subjektiven Einschätzung der digitalen Medienkompetenz und der Nutzungshäufigkeit des digitalen Berichtshefts.
  • Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitsstruktur und der Nutzungshäufigkeit des digitalen Berichtshefts.
  • Es besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Skepsis und der Nutzungshäufigkeit des digitalen Berichtshefts.

Darüber hinaus wird der Einfluss der Faktoren wie Alter und Geschlecht auf die Nutzung von BLok untersucht und ausgewertet.

Die in der Auswertung befindlichen Daten berichten systematische Einflussfaktoren, die die Nutzungshäufigkeit von Bildungstechnologien in der beruflichen Bildung prägen können. Die quantitative Untersuchung erforscht somit erfolgreiche digitale Transformationsprozesse in der beruflichen Bildung, da die Digitalisierung der Lernortkooperation als ein wichtiger Indikator für einen fortgeschrittenen Stand der Digitalisierung in den beteiligten Einrichtungen zu sehen ist. Anhand der Erkenntnisse der anstehenden Auswertung der quantitativen Erhebung können Gelingensbedingungen für eine funktionierende Lernortkooperation abgeleitet und damit ein wichtiger Beitrag zur weiteren Verbesserung der Prozesse innerhalb der beruflichen Ausbildung geleistet werden.

 

Literatur

[1] Davis, Fred D.; Bagozzi, Richard, P.; Warshaw, Paul. R. (1989): User Acceptance of Computer Technology. A Comparision of two Theoretical Models. In: Management Science Vol. 35 (8), S. 982–1003.

[2] Venkatesh, Viswanath; Morris, Michael G.; Davis, Gordon B.; Davis, Fred D. (2003): User Acceptance of Information Technology: Toward a Unified View. In: MISQ – Management Information Systems Quarterly (Vol. 27 (3)), S. 425–478.

[3] Nistor, Nicolae; Wagner, Maximilian; Heymann, Jan O. (2012): Prädiktoren und Moderatoren der Akzeptanz von Bildungstechnologien. Die Unified Theory of Acceptance and Use of Technology auf dem Prüfstand. In: Empirische Pädagogik, Vol 26 (3), p. 343–371.

 

Josephine Obert

Technische Mitarbeiterin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit am Medienzentrum der TU Dresden.