Lernergebnisorientierte Dokumentation von Weiterbildung in der Blockchain

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Die aktuellen Herausforderungen von Digitalisierung, Globalisierung und Individualisierung führen zu einem immer schneller werdenden Wandel von Berufsbildern und wachsenden Druck auf die lebenslange Entwicklung von beruflichen Handlungskompetenzen. Die Bedeutung einer standardisierten Dokumentation lebenslanger Lernbiographien nimmt hierbei zu. Vor dem Hintergrund steigender Mikroabschlüsse, durch sich stetig wandelnde Anforderungen, wird es somit auf der einen Seite schwierig für Lernende die Fülle an analogen und digitalen Zertifikaten in geeigneter Form dauerhaft zu sammeln und in Bewerbungsprozessen bzw. für innerbetriebliche Nachweisführung zur Verfügung zu stellen. Auf der anderen Seite steht die Frage der Verifizierbarkeit und Anerkennung von Teilleistungen im Raum. An diesen Stellen setzt das Vorhaben MyEduLife an und versucht gemeinsam mit Forschungs- und Entwicklungspartnern sowie Partnern aus dem Bildungssektor eine vielseitig anwendbare Lösung zu schaffen.

Mit MyEduLife soll nunmehr eine transparente, vergleichbare, verifizierte und vernetzte Möglichkeit geschaffen werden, um berufliche Weiterbildungsaktivitäten gemäß datenschutzrechtlichen und ethischen Anforderungen zu dokumentieren. Mit Blick auf die Vergleichbarkeit werden (Teil-)Qualifikationen mit Hilfe von Standards wie dem Europäischen Qualitätsrahmen (EQR), dem Deutschen Qualitätsrahmen (DQR) bzw. der European Classification of Skills, Competences, Qualifications and Occupations (ESCO) beschrieben und somit die nötige Transparenz erzeugt.

Die Dokumentation von Lernbiographien erfolgt in einer Anwendung (Wallet), welche die Nachvollziehbarkeit und Authentizität durch ein verteiltes System (Blockchain-Technologie) sicherstellt. Diese Anwendung soll es u.a. ermöglichen eigene Qualifikationen für künftige Arbeitgeber:innen freizugeben. Zudem können Lernende via opt-in ihre Daten zu Weiterbildungsaktivitäten in anonymisierter Form für die Weiterbildungsforschung freigeben. Einen sehr guten Überblick über das Projekt MyEduLife liefert das folgende Video:

Aktuelle Forschungsansätze haben zum Ziel, die Vorteile der Blockchain-Technologie zu nutzen und ihre Nachteile zu überwinden. Hierbei stehen sich zwei Eigenschaften-Gruppen diametral gegenüber. In der ersten Gruppe sind die Eigenschaften, welche wir von der Blockchain-Technologie erwarten. Dazu zählen u. a. Dezentralität, Unveränderbarkeit und Transparenz. Auf der anderen Seite befinden sich in der zweiten Gruppe u. a. die Eigenschaften hoher Datendurchsatz und geringer Stromverbrauch. Eine Reflektion dieser Eigenschaften an existierenden technischen Implementierungen würde einer einzelnen Datenbank (z. B. Postgres DB) einen sehr hohen Datendurchsatz und einen relativ geringen Stromverbrauch attestieren, aber eben auch einen sehr geringen Grad an Dezentralität, Unveränderbarkeit und Transparenz. Im Gegensatz dazu, die Bitcoin-Blockchain, welche einen sehr hohen Grad der letzteren Eigenschaften, dafür aber einen sehr geringen Datendurchsatz und einen relativ hohen Stromverbrauch aufweist. Aktuell wird versucht dieses Problem auf zwei Wegen anzugehen. Zum einen an der Blockchain-Technologie selbst, indem z. B. unterschiedliche Verfahren der Konsensfindung (Proof-of-Stake, Proof-of-Work, etc.) erforscht werden und zum anderen der Einsatz von Sidechains bzw. Multi-Layer-Lösungen. Letzterer Ansatz fügt eine zweite Schicht über die eigentliche Blockchain-Implementierung ein und verbindet diese mit der darunter liegenden Basis-Schicht. Diese sogenannte Second-Layer-Lösung muss nicht mehr jede einzelne Transaktion über die darunterliegende Blockchain-Implementierung abwickeln und kann somit u.a. deutliche Geschwindigkeitsvorteile erreichen. Ein Beispiel ist das Decentralized Identifier (DID) Netzwerk ION auf Basis des Sidetree Protokolls. Damit ist es möglich, eine dezentrale Public-Key-Infrastruktur Lösung (DPKI) zu implementieren.

Das Projekt MyEduLife hat zum Ziel berufliche Weiterbildungsaktivitäten zu dokumentieren und untersucht dafür verschiedene technische Ansätze auf ihre praktische Einsatzfähigkeit mit besonderem Fokus auf Datenschutz & Datensicherheit, Kosten sowie Nachhaltigkeit. Dabei sind wir bestrebt vorhandene Lösungen, wie z.B. unserer Projektpartner der TH Lübeck und RWTH Aachen aus dem Projekt „IMPactDigital“ und „Digitaler Campus“ (siehe Ankündigung), aufzugreifen und mit weiteren Forschungsansätzen wie Sidechains oder Second-Layer-Lösungen zu verknüpfen.

Kontakt und weitere Informationen

Nähere Informationen zum Projekt MyEduLife finden Sie unter https://forschungsinfo.tu-dresden.de/detail/forschungsprojekt/18816 sowie auf der Webseite des Projektes.

 

Björn Adelberg / Jana Riedel

Josephine Obert

Technische Mitarbeiterin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit am CODIP - TU Dresden.