Lernerfahrungen sichtbar und vergleichbar machen – Ansätze im Projekt MyEduLife

Berufe und Anforderungen an berufliche Tätigkeiten verändern sich aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen schneller und häufiger. Traditionelle Berufsbilder verschwinden, neue Berufsbilder wie bspw. Social Media Manager, Sustainability Manager oder IT Security Manager entstehen. Aber auch bestehende Berufsbilder verändern sich, in vielen Berufen kommen neue Aufgaben hinzu, die die Nutzung digitaler Technologien (Stichwort digital skills) oder die Berücksichtigung von umweltbezogenen Anforderungen (Stichwort green skills) betreffen.

Um die Veränderungen der beruflichen Tätigkeiten und die dadurch entstehenden Bedarfe auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten, nutzen viele Länder (z. B. die USA, Australien, Singapur sowie die EU) bereits sogenannte Skills Monitoring-Systeme. Diese umfassen Daten aus Befragungen oder der semantischen Analyse von Stellenanzeigen und zeigen auf, welche Berufe und welche Tätigkeiten in unterschiedlichen Branchen und Regionen nachgefragt werden. Für die EU-Länder stehen Daten bspw. über das Skills Intelligence-Tool (https://www.cedefop.europa.eu/en/tools/skills-intelligence) des CEDEFOP, dem europäischen Zentrum für die Förderung der Berufsbildung, zur Verfügung. Auf diesen Seiten werden Daten aufbereitet, visualisiert und zur Information verschiedener interessierter Stakeholder zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise wird die Nachfrage nach Arbeitskräften bereits datengestützt erfasst und veröffentlicht.

Weniger Informationen gibt es jedoch über das Angebot, also über die Fähigkeiten und Kompetenzen die die Arbeitskräfte durch Aus- und Weiterbildung sowie durch die Berufserfahrung bereits erworben haben. Grundlage hierfür ist zunächst eine standardisierte Erfassung von in Aus- oder Weiterbildungsangeboten erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen. Das ist eines der Anliegen im Projekt MyEduLife. Kernziel ist die datenschutzkonforme und fälschungssichere Speicherung von Weiterbildungsnachweisen unter Nutzung der Blockchain-Technologie, wobei die erworbenen Lernergebnisse standardisiert miterfasst werden sollen und so Daten zur Analyse von Weiterbildungsverhalten und -ergebnissen zur Verfügung stehen.

Für die Weiterbildungseinrichtungen müssen dabei Veränderungsprozesse auf unterschiedlichen Ebenen initiiert werden. Neben der Digitalisierung des Prozesses von Ausstellung, Ausgabe und Archivierung von Teilnahmenachweisen betrifft dies die Angabe der erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen. Aktuell erfolgt häufig eine Information über die in der Weiterbildung behandelten Themen und Inhalte, jedoch meist noch keine Angabe von Lernergebnissen. Diese müssen darüber hinaus so formuliert werden, dass sie zwischen verschiedenen Einrichtungen vergleichbar sind. Dafür ist die Anwendung einer gemeinsamen Sprache und Taxonomie erforderlich.

Eine solche stellt die EU-Kommission mit dem ESCO, der Europäischen Klassifikation für Fähigkeiten, Kompetenzen, Qualifikationen und Berufe, zur Verfügung. Diese Klassifikation wurde EU-weit von Expert:innen erarbeitet und bildet aktuell über 3000 Berufe und über 13.000 Fähigkeiten und Kompetenzen ab, wobei alle Einträge hierarchisch angeordnet und in die 26 europäischen Sprachen sowie Arabisch übersetzt sind. Die Nutzung dieses Standards zur Darstellung von Fähigkeiten und Kompetenzen, um Lernergebnisse auf Weiterbildungsnachweisen auszuweisen, soll nun im Projekt MyEduLife mit drei sächsischen Weiterbildungseinrichtungen erprobt werden. Dafür haben die Projektpartner bereits drei beispielhafte Angebote ausgewählt und dokumentieren ihre Erfahrungen mit der Nutzung des ESCO-Standards, damit nachfolgend Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können, ob eine standardisierte Ausweisung von in Weiterbildungen erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen möglich ist und praxistauglich implementiert werden kann. Dies wäre die Grundlage dafür, Daten über Lernerfahrungen vergleichbar und sichtbar zu machen und somit das Skills Monitoring für den Arbeitsmarkt um Informationen über das Angebot zu ergänzen.

Diese Projektansätze sollen unter anderen auch auf dem aktuell laufenden Workshop “The Future of Learning & Work. Perspectives on data, visual & learning analytics at the intersection of education and job markets” im Futurium Berlin diskutiert werden.

Josephine Obert

Technische Mitarbeiterin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit am CODIP - TU Dresden.